Aktuelles Thema in <<mittendrin>>:

Partnerschaft

Partnerschaft – Wir brauchen einander

Partnerschaft? Vielleicht sagen Sie. »Aber wir haben doch zurzeit so viel mit uns selbst zu tun. Nach dem Zusammenschluss von drei Gemeinden. Partnerschaft ist später dran.«


Claudia Latzel-Binder, Beauftragte der Landeskirche für Partnerschaftsarbeit sieht das ganz anders: »Unsere kirchlichen Partnerschaften und ökumenischen Erfahrungen sind für mich ein Hoffnungs-Modell und eine Verheißung für das Kirche-Sein im 21. Jahrhundert. Vor 40 Jahren ungefähr fing das an mit der Begegnung zwischen Christen aus dem Siegerland und Christen aus Tanzania. Daraus entstand 1980 die Partnerschaft zwischen den Kirchenkreisen Siegen und Kibaha (jetzt: Magharibi). Die Partnerschaft der früheren Christus-Kirchengemeinde mit Kibamba ist daraus hervorgegangen. Anderen Ursprungs ist die Partnerschaft mit Ng’uni, die die Erlöser-Kirchengemeinde in die neue Lukas-Kirchengemeinde eingebracht hat. 

 

Pastor David Mushi ist 2019 zusammen mit seiner Familie aus Tansania zu uns nach Deutschland gekommen als »Ökumenischer Süd-Nord Mitarbeiter der Vereinten Evangelischen Mission«. Mit großen Erwartungen. Ernüchtert stellt er fest, »dass die deutsche Kultur stark vom Christentum beeinflusst wurde. ... (Aber) es ist nur Kultur und hat nichts mit Gott zu tun.« Partnerschaft heißt auch: Wir müssen uns dem Blick von außen stellen, selbst wenn das weh tut.
In der Partnerschaft geht es nicht nur um Fragen des Glaubens, sondern auch um die äußeren Lebensbedingungen von Menschen. »KILWAG« ist ein Projekt, das Frauen im Kirchenkreis Kibaha fördert und von der Partnerschaft getragen wird.

Und dann gibt es noch die Partnerschaft unserer Gemeinde mit der Gemeinde in Pockau im Erzgebirge. Begegnung zwischen Ost und West innerhalb Deutschlands. Spannend!

 

Partnerschaft. Wir sind gemeinsam unterwegs. Es tut gut dies zu wissen. Wir brauchen einander. Gerade jetzt, wo wir uns in der Lukas-Kirchengemeinde miteinander auf den Weg machen – in der Nachfolge Jesu.


Pfr. i. R. Christoph Meyer

Partnerschaft gibt Hoffnung

Unsere kirchlichen Partnerschaften und ökumenischen Erfahrungen sind für mich ein Hoffnungs-Modell und eine Verheißung für das Kirche-Sein im 21. Jahrhundert.

Bevor ich diese Aussage näher erkläre, möchte ich mich erst einmal kurz vorstellen: Ich heiße Claudia Latzel-Binder und bin seit März Pfarrerin bei dem landeskirchlichen Amt für MÖWe (Mission, Ökumene und Weltverantwortung) und hier auch für die Arbeit in der Region Südwestfalen zuständig. Die Begleitung von internationalen Partnerschaftsgruppen gehört mit in diesen Aufgabenbereich.
Nun zu der Aussage: In meiner Zeit als Gemeindepfarrerin habe ich auf gemeindlicher wie kreiskirchlicher
Ebene einen ökumenischen Schwerpunkt legen können. Besonders an der kreiskirchlichen Partnerschaft nach Tansania konnte ich über viele Jahre teilnehmen. Gerade in dieser aktuellen Zeit von rasanten kirchlichen Veränderungen in unseren Gemeinden und dem enormen Relevanzverlust von Kirche hier in Deutschland machen mir diese Erfahrungen aus den Begegnungen mit Christ*innen anderer Länder, Kulturen und Sprachen viel Mut. Zum einen ist es einfach entlastend zu wissen, dass die Kirche Jesu Christi nicht untergeht, auch wenn sie bei uns gerade schwächelt. An anderer Stelle wächst sie ja! Zum anderen erlebe ich, dass Menschen und Gemeinden, die solche partnerschaftlichen Begegnungen gemacht haben, offen sind für Menschen mit anderen Ausdrucksformen des einen Glaubens. Ja, da wird anders gebetet, gesungen, die Bibel ausgelegt. Und das ist gut so und wunderbar bereichernd. Mit den Formen ist es für mich immer ein bisschen wie mit unseren Wohnzimmern, die
so unterschiedlich eingerichtet sind. Wenn wir möchten, dass Menschen sich bei uns wohlfühlen, müssen wir ihnen nicht nur – um in diesem Bild zu bleiben – einen Platz auf unserem Sofa anbieten, sondern auch zulassen, dass sie selbst ihre Bilder aufhängen, andere Lampen mitbringen und das Wohnzimmer wirklich zu einem gemeinsamen machen; also unsere Gottesdienste verändern. Hierbei denke ich an die vielen Christ*innen mit Migrationsoder Fluchthintergrund, die doch inzwischen so selbstverständlich in unseren Nachbarschaften wohnen. Eine Hoffnungsgeschichte ist für mich dazu die regelmäßige Teilnahme eines jungen koptischen Christen in meiner alten Gemeinde. Er betete immer mit nach oben geöffneten Handflächen und hat manche Gottesdienstbesucher*innen ermutigt, auch einmal andere Gebetshaltungen auszuprobieren. Wir haben diesen Gedanken dann für eine Zeit mit einem sogenannten Körpergebet in den liturgischen Ablauf eingebaut und gute Erfahrungen damit gemacht. Kirche in Vielfalt und eine lernende Offenheit für die Menschen um uns her kann dann auch das Miteinander von Generationen positiv verändern. Und schließlich sehe ich, dass in unseren Partnerkirchen vielfach schon Antworten auf Fragen gefunden und umgesetzt wurden, mit denen wir als Gemeinden in Deutschland gerade erst beginnen, uns auseinanderzusetzen wie z.B. die Stärkung und Ausbildung von Gemeindegliedern für die Verkündigung und Seelsorge, der Umgang mit Naturkatastrophen, Fundraising, die Klimaveränderung, usw. Ich habe die Hoffnung, dass gerade in den Umbrüchen dieser Zeit eine besondere Chance für unsere Kirche liegt. Eigentlich ist es für uns evangelische Christ*innen ja eine Grundweisheit und selbstverständlich, dass »ecclesia semper reformanda«, dass sich Kirche in einem ständigen Reformprozess befindet. Die Herausforderungen unserer Zeit sind immer genau die Möglichkeiten für die Zukunft. Und die Weite von Partnerschaftserfahrungen ist dabei eine tolle Verheißung. Ich bin hoffnungsvoll neugierig und möchte in meiner Stelle daran mitgestalten und bin gespannt, wie Kirche insgesamt und auch ganz konkret in Ihrer Gemeinde in 5, 10 und 15 Jahren aussieht.


Mit herzlichen Grüßen
Pfrn. Claudia Latzel-Binder

In der Partnerschaft erleben wir Pfingstmomente

Interview mit David Mushi und seiner Frau Elizabeth 

»mittendrin«: Stellt euch bitte kurz vor. Wer seid ihr und warum seid ihr nach Deutschland gekommen?

Mein Name ist David Mushi, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania. Meine Frau ist Elizabeth Bukwimba, von Beruf Rechtsanwältin und arbeitet für das Außenministerium von Tansania. Gott hat uns mit zwei Kindern gesegnet, von denen eines ein Junge, Macarious, und das andere ein Mädchen, Kairos, ist. 2019 sind wir nach Deutschland gekommen, weil ich die Chance bekommen habe, als Ökumenischer Süd-Nord Mitarbeiter der VEM im Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein und in der Gemeinde Klafeld zu arbeiten. Aber warum ein Pastor aus Tansania? Weil der Kirchenkreis Siegen eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Magharibi in Tansania hat.
Vor der Ordination habe ich drei Gelübde abgelegt. Eines davon beinhaltet, missionarisch zu arbeiten. Daher war unsere Berufung nach Deutschland für mich eine Chance, eines Tages Missionar außerhalb meines Landes zu sein. Ich bin Gott sehr dankbar für die neue Erfahrung. Und ich bin froh, dass meine Familie Freude und Schmerz dieser Arbeit mit mir trägt.


»mittendrin«: Ihr seht Deutschland mit anderen Augen, auch was unser Leben als Christen und was die Kirche betrifft. Welche Stärken und Defizite unserer Kirche und unseres Lebens als Christen habt ihr entdeckt?

Wir haben bereits dreieinhalb Jahre in Deutschland verbracht. Die Erfahrungen sind nur unsere Perspektive, also sind wir offen für Korrektur und Kritik. Für Christen aus der evangelisch-lutherischen Kirche in Tansania ist Deutschland genau wie der Vatikan. Wir Tansanier sind stolz auf dieses Land von Martin Luther, und wir glauben, wenn ein Pastor in Deutschland studiert hat, wird er/sie der beste Christ und Pastor sein.
Als wir begonnen haben, zum Gottesdienst zu gehen, ist uns aufgefallen, dass die Zahl der Anwesenden im Vergleich zur Größe des Gebäudes sehr gering ist, außer an Weihnachten und vielleicht Ostern.
Dann bemerkten wir, dass einige Leute nicht nur im Gottesdienst, sondern auch beim Kirchenkaffee direkt nach dem Gottesdienst sozialen Kontakt haben. Dieses soziale Netzwerk ist wichtig. Aber die meisten Leute, die zum Sonntagsgottesdienst kommen, sind ältere Leute, verglichen mit Tansania, wo die meisten Leute, die den Sonntagsgottesdienst besuchen, jung sind.
Wir haben festgestellt, dass die deutsche Kultur stark vom Christentum beeinflusst wurde, obwohl es ihr an Spiritualität mangelt. Es ist nur Kultur und hat nichts mit Gott zu tun. Es gibt sehr gute Menschen, die sich mit hoher christlicher Disziplin verhalten, aber sie glauben nicht einmal an Gott. Außerdem waren wir überrascht zu erfahren, dass einige Pastoren nicht am Sonntagsgottesdienst teilnehmen, insbesondere, wenn er/sie keine Pflicht hat, zu predigen oder die Liturgie zu leiten. Dies ist vielleicht ein Indikator dafür, dass wir predigen, was wir selbst nicht leben.
Andererseits ist das kirchliche Leben für Ausländer nicht sehr offen. Unsere Familie ist fast die einzige ausländische Familie, die den Gottesdienst besucht. Wir beobachten, dass die Kirche wenig Zeit hat, den Ausländern die Liebe Gottes zu bezeugen. Ja, es gibt diese kirchlichen Programme für Flüchtlinge, aber Ausländer sind nicht immer Flüchtlinge. Warum hat die Kirche nicht einen internationalen Gottesdienst für die Menschen, die kein Deutsch verstehen?
Der Konfirmationsunterricht ist das wunderbare Programm im deutschen Kirchenleben, verglichen mit Tansania. In Tansania besteht der Konfirmationsunterricht mehr aus dem Auswendiglernen. Aber wir sind sehr beeindruckt von der Konfi-Arbeit hier in Deutschland. Der Kurs wird nicht durch Auswendiglernen gelehrt. Und die Jugendlichen genießen es. Dies ist sehr wichtig.
Manche Deutsche und auch diejenigen, die zum Sonntagsgottesdienst kommen, mögen Abstand zu anderen Menschen. Diese Angewohnheit ist einerseits sehr gut, kann aber andererseits bei den Ausländern Rassismusgefühle hervorrufen. Und das gilt sogar für die Dienste wie Taufe, Beerdigung, Trauungsgottesdienst und andere.
Die Sonntagsgottesdienste sind in Deutschland nicht sehr lebendig. Das kann wegen des kalten Wetters sein. Wir wissen es nicht genau. Und einige Pastoren verwenden eine sehr hohe Fachsprache in der Predigt in den Sonntagsgottesdiensten, wobei diese Sprache für die Ausländer wie die Sprache im Hörsaal an der Universität ist.
Unserer tansanischen Erfahrung nach möchten wir in Gottesdiensten Momente des Lachens und ein wenig Tanzen haben und gleichzeitig Relevanz bewahren.


»mittendrin«: Warum sollten eurer Meinung nach Gemeinden in Tansania und Deutschland Partnerschaften eingehen?

Diese unterschiedlichen Erfahrungen, die wir in diesem Artikel erläutert haben, können nur gesehen werden, wenn wir dem kirchlichen Leben in Deutschland ausgesetzt sind.
Unser Partnerschaftsprogramm ist einer der Kanäle, durch die Menschen in der Welt der Überraschungen voneinander lernen können.
Wenn Wiltrud und Peter Klöckner sowie Pfarrer Armin Pulfrich und seine Frau Susanne von ihrer Reise nach Nguni / Tansania zurück sind, werden sie uns viele Überraschungen erzählen. Und wir können viel lernen*.
Die Begegnungen sind keine Plattform um sich gegenseitig zu verurteilen, sondern um einander in Liebe zu helfen. In der Partnerschaft erleben wir Pfingstmomente.
Wir haben die Möglichkeit, andere Lebensweisen zu entdecken. Diese Lebensweisen lassen sich nicht durch touristische Reisen erfahren, sondern brauchen den engen Kontakt zu den Menschen und deren Vertrauen.
Am Ende dieses Artikels möchten wir alle Leser daran erinnern, dass Jesus für die Einheit der Kirche gebetet hat. Durch Partnerschaft wird unsere Einheit klarer und praktischer.


Das Interview führte Pfr. Armin Pulfrich


* Freuen Sie sich auf den nächsten Gemeindebrief:
In der nächsten Ausgabe von »mittendrin« folgt ein ausführlicher Bericht

Partnerschaft zwischen Kirchenkreisen und Gemeinden

Lebendig und kraftvoll

Über 40 Jahre ist es schon her, dass in Siegen eine Anregung der Landeskirche auf fruchtbaren Boden fiel und zwei Pfarrer in Weidenau sich auf den Weg machten, eine Partnerschaft mit weit entfernt lebenden Christen einzugehen. 1980 gilt als offizieller Anfang der Beziehung zwischen den Kirchenkreisen Siegen und Kibaha (jetzt Magharibi) in Tanzania. Unter diesem Dach entstanden im Laufe der Jahre weitere Partnerschaften zwischen jeweils zwei Gemeinden. Menschen in der ChristusKirchengemeinde standen diesem Gedanken wohlwollend gegenüber, und als das Interesse wuchs, gründeten sechs Personen eine Tanzania-Gruppe. 2008 wurde im Presbyterium der Beschluss gefasst, um Partner in Kibaha zu bitten, und 2009 wurde in Kibamba diese Partnerschaft in einem feierlichen Gottesdienst offiziell eröffnet Seitdem besteht zwischen uns ein guter Kontakt weitgehend per Email und gelegentlichen ZOOM-Konferenzen der Kirchenkreise. Höhepunkte waren einige Besuche hinund herüber, was leider durch Covid 19 zurzeit für uns noch nicht wieder möglich ist.
In Kibamba musste die kleine Kirche einer Straßenverbreiterung weichen, so dass die wachsende Gemeinde seit einigen Jahren an besserer Stelle ein neues großes, vielfach nutzbares Gebäude errichtet. Das begleiten wir mit finanzieller Unterstützung und Fürbitte. Der Besuch des sehr beeindruckenden Bischofs Malasusa war für die Gemeinde eine große Freude und Ermutigung. Der größte Teil der Bauarbeiten ist geschafft, und Teile des Rohbaues werden schon längere Zeit für Gottesdienste genutzt.


Unsere kleine Kibamba-Gruppe in Siegen nimmt Anteil an den Fortschritten, ist aber auch hier tätig.
Wir würden uns sehr freuen, wenn sich hier in Siegen mehr Menschen für diese Partnerschaft interessieren und unsere Gruppe verstärken könnten.
Wir treffen uns etwa 4 mal jährlich nach Absprache. 

Edith Wargalla

Projekt fördert das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

»Wenn du eine Frau stärkst, stärkst Du die ganze Gesellschaft.« Swahili- Sprichwort

»Starke Frauen stärken Frauen – Solidarität von Frauen weltweit«. Das ist das Motto des KILWAG-Frauenprojektes (Kibaha-Lutheran-Women-Advancement-Group = Förderung der Frauen im ev. lutherischen Kirchenkreis Kibaha) der Partnerschaft zwischen den evangelischen Kirchenkreisen Magharibi und Siegen. Es wurde 1997 auf Anfrage von Frauen aus Bagamoyo mit Unterstützung von Magdalena Kröber gegründet.


Frauen tragen in Tansania die Hauptlast bei der Versorgung der Familie. Kleine Mädchen werden schon früh auf ihre zukünftige Rolle als Frau und Mutter vorbereitet: Sie übernehmen Aufgaben im Haushalt und die Versorgung der jüngeren Geschwister und lernen Verantwortung zu tragen. Verheiratet zu sein und Kinder zu bekommen hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft.


Ist in der Familie genug Geld vorhanden, um auch die Töchter zur Schule zu schicken, oder reicht es nur für die Söhne?
Wenn die Männer nicht genug oder nur kaum Geld für die Versorgung der Familie aushändigen, sind die Frauen darauf angewiesen, sich ein eigenes Einkommen zu verschaffen. Wenn
Frauen gefördert werden, profitieren auch die Familienmitglieder. Mit einem eigenen Einkommen können sie z.B. das Schulgeld und die Schuluniformen für die Kinder bezahlen, sie haben die Möglichkeit, für sich und die Kinder ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.


In acht Gemeinden haben sich die Frauen in KILWAG-Gruppen zusammengeschlossen. Sie produzieren gemeinsam Batiken, Schmuck, Taschen, Putzmittel, Chutney u.v.m. und betreiben kleine Läden. Der Gewinn wird für die Finanzierung ihrer Einkommen schaffenden Projekte selbst sowie für ihre Familien verwendet.


400 Frauen haben an Basisschulungen in den Bereichen Marketing, Planung und Buchführung teilgenommen. Es folgten vertiefende Kurse für Multiplikatorinnen, die ihr Wissen an ihre Gruppen weitergeben konnten. In Siegen haben wir uns für die Finanzierung dieser Schulungen eingesetzt. Mittlerweile ist KILWAG ein eigenständiger Verein geworden. Zusammenarbeit und Solidarität fördern das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Davon konnten Annemarie Klein und ich uns überzeugen, als wir 2019 zur Teileinweihung des Magdalena Kröber-Memorial-Hostels von den KILWAG-Frauen eingeladen waren. Das Hostel soll eine sichere und günstige Unterkunft für Schülerinnen und eine neue Einnahmequelle sein. Die anderen Räumlichkeiten sollen für Seminare genutzt werden: »Uns ist die Aufklärung junger Mädchen und Frauen in Bezug auf HIV-Aids und Gesundheitserziehung ein wichtiges Anliegen, denn wir wissen – Vorbeugen ist besser als Heilen/Behandeln!«, so Zilpa Mremi, Vorsitzende des KILWAG-Projektes.


Die Frauen haben noch viele weitere Ideen, und wir freuen uns mit ihnen sehr über die Unterstützung dieser Arbeit!
Helga Hoffmann KILWAG-Koordinatorin Siegen

Brücken zwischen Ost und West überwinden Gräben

Unsere Partner-Kirchengemeinde Pockau im Erzgebirge

»Pockau – der Name sagt mir nichts«, werden einige von Ihnen denken. Mit Pockau verbindet uns, die bisherige Nikolai-Kirchengemeinde, eine lange Partnerschaft. Pockau liegt etwa 30 km nördlich von Chemnitz. Im Jahre 1986 – drei Jahre vor der (unerwarteten) Grenzöffnung – durfte ich mit Pfarrer Georg Kurschus und Baukirchmeister Gerhard Quast auf Einladung der dortigen Kirchengemeinde in die damalige DDR zur persönlichen Kontaktaufnahme reisen. Besuche vor der Maueröffnung waren nur unter schwierigen Bedingungen möglich. Die DDR-Behörden mochten diese Partnerschaften nicht. Besuche im Westen waren seinerzeit meist nur für Renterinnen und Rentner denkbar. Und unsere Einreisewünsche wurden nicht immer von den dortigen Behörden genehmigt.


Trotzdem wuchs die Partnerschaft, und immer wieder andere Mitglieder der Nikolai-Kirchengemeinde nahmen die Fahrten nach Pockau – trotz Grenzkontrollen mit Schikanen, Misstrauen vor Stasi-Bespitzelung, etc. – auf sich. Unmittelbar nach dem Mauerfall wurden die privaten Kontakte verstärkt.
1990 besuchte uns der Posaunenchor aus Pockau, und ein Jahr später waren wir Gastgeber des dortigen Kirchenchores. Der dortige Kirchenvorstand besuchte uns erstmals 1997 in Siegen. Weitere gemeinsame Treffen folgten. Zuletzt trafen sich das Presbyterium von Nikolai und der Kirchenvorstand Pockau 2018 auf halber Strecke in Eisenach zu einem gemeinsamen Austausch und zur Begegnung.


Eine Konstante in den zurückliegenden Jahren war und ist der Kirchenchor. Im Turnus von 2 Jahren treffen sich die beiden Kirchenchöre abwechselnd in Pockau und in Siegen. Vom 30. September bis zum 3. Oktober 2022 ist die nächste Begegnung der beiden Chöre in Siegen geplant. Ein kleines gemeinsames Konzert im Gottesdienst am 2. Oktober um 10 Uhr in der Nikolaikirche ist geplant. Im Rahmen dieses Besuches ist auch eine persönliche Begegnung von dortigen Kirchvorsteher*innen und hiesigen Mitgliedern des Presbyteriums vorgesehen.


Partnerschaftsarbeit ist Beziehungsarbeit und beruht vor allem auf privaten Kontakten. Diese werden wei-
terhin gepflegt. Die Übernahme von Patenschaften für Kinder stärken auf beiden Seiten diese Beziehungen. Sinn der Kontaktaufnahme war damals, die Teilung in zwei deutsche Staaten zu überwinden. Bis in die heutige Zeit hinein ist es wichtig, Brücken zwischen Ost und West zu bauen. Nach wie vor bestehen gegenseitige Vorbehalte, und es sind Gräben zu überwinden. Es ist mein Wunsch, dass die Verbindungen nicht abreißen und sich weiterhin »Brückenbauer« in unserer neuen Lukas-Kirchengemeinde finden.


Ulrich Bernshausen